Romano Guardini Online Konkordanz
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Dantes G�ttliche Kom�die

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dionysischer Erfüllung und chaotischer Sinnlosigkeit. Dantes Welt ist Werk Gottes und damit Gnade.
Schon die Schöpfung ist es, denn sie kommt aus der Freiheit der Liebe. Der Charakter des Schöpfungswerkes ist Realisation des göttlichen Gnadenwillens. Die Ordnung der Welt und die Führung ihrer Geschichte geht letztlich auf die Stillung der »concreata e perpetua eterna sete«. (...)
Dantes Welt ist an jeder Stelle hilfreich. Sie ist für den, der fähig ist, zu vernehmen, an jeder Stelle ein Ruf und eine Hilfe, dem Ruf zu folgen. Sie ist weder tückisch, noch stumpf-gleichgültig, sondern führt und trägt.
Sofort muß aber hinzugefügt werden, daß das nichts mit Idylle zu tun hat. Dantes Welt ist von einem unerbittlichen Ernst, denn sie ist nicht das Werk eines gutmütigen Märchenwesens, sondern des Gottes der Heiligkeit und Gerechtigkeit. Dieser Gott will aber, daß der Mensch ins Heil gelange.

2. Der Gang des Menschen

So ist Dantes Welt Weg. Schon in den ersten Worten der Divina Commedia erscheint das Wegsymbol: ..... (Inf 1,1)
Dessen Bedeutung kann gar nicht überschätzt werden. »Weg« meint, daß Dinge und Zustände in einem solchen Zusammenhang untereinander stehen, daß sich in ihnen die Lebensbewegung fortgehend vollziehen kann. »Weg« bedeutet weiter, daß die Bewegung Richtung halten kann: die räumliche des Körpers, wenn er geht; die akthafte der Sinne, wenn sie einen Gegenstand nach dem anderen erfassen; die geistige des Verstandes, wenn er von einer ersten Erkenntnis zu folgenden und immer umfassenderen weiterschreitet; die des Willens, wenn er ein Ziel aufstellt und ihm zustrebt usw.
Wieder wollen wir uns über den Unterschied klar werden. Die Neuzeit sagt: die Welt ist Material. Was im existentiellen Sinne »Weg« heißt, muß der Mensch schaffen. Er ist wie der Entdecker im Dschungel, der sich mit dem Hackmesser durch das

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