Romano Guardini Online Konkordanz
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Dantes G�ttliche Kom�die

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Sie waren von den Erfahrungen einer Ordnung bewältigt, die aus der schaffenden und regierenden Wirksamkeit Gottes kommt.
Die Welt Dantes redet also überall. Alles Seiende ist Symbol, und offenbart abbildend die Wesensfülle Gottes ... Vgl. die große Stelle: ..... (Par 33,85–90)
Die Ordnung der Welt ist nicht nur ein mechanischer Zwang, sondern spricht und weist auf die Intention Gottes hin.
Der Mensch, der in dieser Welt steht, hat ein Auge für diesen Charakter der Welt. Er vermag Symbol zu sehen und Epiphanie zu erfahren. Er hat ein Ohr für den Wortcharakter der Dinge. Die Kontemplation aber, deren Bedeutung als Element des mittelalterlichen Daseins gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann, enthält als wichtiges Moment die Realisation der objektiven Hinführung, welche von der Welt zu Gott geht. Die mittelalterliche religiöse Literatur bringt den Typus des »Itinerarium mentis in Deum« hervor, in welchem die objektive Gestalt der Welt als Hinführung zu Gott kontemplativ realisiert wird. Und es mag auch darauf hingewiesen werden, daß der berühmte, von Rhabanus Maurus im 9. Jahrhundert verfaßte Hymnus »Veni creator Spiritus« den Vers enthält »accende lumen sensibus«: der Geist, das Pneuma möge »in den Sinnen das Licht entzünden«. Nicht nur der Verstand, sondern die Sinne mögen fähig werden, das Heilige, das aus dem Ewigen Kommende und Hinübergehende zu schauen, zu vernehmen, zu greifen, zu schmecken. Das ist Mittelalter: Ergriffenwerden des lebendigen Menschen – nicht nur des Verstandes – durch die religiöse Sinnfülle und Bewegungsmacht der Welt.
So ist diese Welt auch eine sittliche Tatsache. In ihr realisiert sich Gerechtigkeit. Die Welt ist nicht eine vom ethischen Gesichtspunkt aus indifferente Wirklichkeitsmasse, die rein kausal geordnet ist. So sieht sie die Neuzeit, und wir tun gut, uns klarzumachen, daß diese Sehweise durchaus nicht Ergebnis

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